Wild at Heart – Kreuzberg goes Psychobilly

Wild at Heart ist nicht nur der Titel des legendären Films von David Lynch mit Nicholas Cage. Ebenso ist es der Name des wohl bedeutendsten Psychobilly-Schuppens Berlins. Was das für den Kiez und die eigentlich kleine Subkultur bedeutet.

Horror, Punk und Party

Etwas mulmig dürfte einem werden, wenn man das Wild at Heart (WaH in Fan-Kreisen genannt) erstmals betritt. Die Türsteher scheinen zu allem bereit, wie Schränke blockieren sie die kurze Treppe ins finstere Innere. Die Ticketpreise sind nie vorhersehbar, meistens kosten die Konzerte aber nur wenig.

Die eher kitschige Einrichtung besteht aus roten Wänden, Lichterketten, unglaublich vielen Totenköpfen und Puppen. Hausgemachte Getränke wie Mexikaner, Sauerkorn oder interessante Cocktails versüßen das standardmäßige Angebot von Schnaps und Bier. Man fühlt sich wie in einem guten alten Gangsterfilm á la From Dusk Til Dawn, wenn die kratzigen Amps anspringen und die Band zur Probe einlädt. Denn bald schon beginnt ein raues Gespiele mit harter Musik, das in Sachen Stimmung seinesgleichen such.

Nur Pogo und Randale?

Das WaH hat wohl auch seine Kehrseite. Oft hört man von Schlägereien, Alkoholvergiftungen und schlecht gemischten Klängen während unspannender Konzerte. Doch schon der Berliner Tagesspiegel berichtete, dass das WaH Herz besäße und weitaus mehr sei als einfach nur ein Punkrockladen.

Es ist einfach schön, in diesen unscheinbaren und nun vorteilhaft umgebauten Laden zu stolpern, das süffige Hausbier zu kosten und sich von jugendhafter Rockmusik beschallen zu lassen. Oft genug lernt man nette Leute kennen und verlässt den Laden mit einer neuen Bekanntschaft. Im Pogo erlebt man nicht selten einen kathartischen Effekt, der einen die Strapazen der vergangenen Woche vergessen lässt.

Das Wild at Heart ist eine der letzten Bastionen des echten Kreuzberg, in dem Bier, Rockmusik und Faustrecht gelten. Längst nicht nur Psychobillies, sondern auch Punker, Rocker, Skins und Metalheads fühlen sich hier wie zu Hause. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Laden noch lange erhalten bleiben wird!